Notdienst Berlin e.V.

WerkHaus schließt die Pforten

Verfasst am 27.05.2013

WerkHaus schließt die Pforten

Zu Ende April mussten wir leider unsere Einrichtung WerkHaus schließen – unsere Maßnahme für junge, arbeitslose Menschen bis 25 Jahre mit einem Suchtproblem. Ein Rückblick….


Im März 2008 startete das Projekt mit 10 Plätzen im Grünflächenbereich – gefördert durch das JobCenter Tempelhof-Schöneberg (MAE Maßnahme § 16 d, SGB II). Mit dem Einzug in die neuen Räumlichkeiten in direkter Nähe zum JobCenter und der vollständigen Renovierung durch den Notdienst, konnten die jungen Menschen im Januar 2009 beginnen. Es gab eine Holz- und Fahrradwerkstatt sowie natürlich weiterhin den Grünflächenbereich. Die Maßnahme wurde auf 20 Plätze erweitert.

Trotz der zum Teil großen Probleme der Teilnehmer erfolgten Vermittlungen in Ausbildung / Arbeit / Therapie. Drei Mitarbeiter waren im Projekt beschäftigt, davon zwei  Arbeitsanleiter und ein Sozialarbeiter. Die Teilnehmer konnten  Qualifizierungszertifikate erlangen, u. a. den von der Berufskammer anerkannten Motorsägenschein. Zusätzlich wurden regelmäßig Kurse in Rechnen, Schreiben, Lesen sowie Kurse zur Vertiefung der fachbezogenen Themen durchgeführt. Der Besuch der Suchtberatung war für jeden Teilnehmer verpflichtend.
Die erfolgreiche Maßnahme wurde zweimal verlängert und lief bis zum Februar 2011. Doch dann teilte uns das JobCenter mit, dass die Maßnahmenkostenpauschalen von € 500,- auf € 160,- monatlich abgesenkt werden müsse. Diese Bedingung konnten wir nicht annehmen und der Vorstand beschloss daraufhin die Schließung des WerkHauses.

Im Juni 2011 wollte das JobCenter das Projekt dann wieder eröffnen, mit der Zusage eines stabilen Kostensatzes. Da wir das Projekt stets für fachlich sinnvoll hielten, haben wir das WerkHaus neu aufgebaut. Die Räume waren zwar noch vorhanden, es mussten aber neue Mitarbeiter eingestellt werden.
Bereits zum  Beginn des Jahres 2012 teilte uns das JobCenter dann mit, dass eine Weiterbewilligung der Maßnahme im Rahmen von MAE nicht mehr möglich wäre. Das JobCenter schrieb die Maßnahme im Rahmen der Aktivierungshilfe für Jüngere nach § 16 (1) i.V.m. § 45 (1) SGB III aus. Bei dem Bieterverfahren erhielten wir den Zuschlag - ein Jahr mit der Option auf Verlängerung für 2x1 Jahr.

Und so startete das WerkHaus im Mai 2012 als Aktivierungshilfe. Es gab keine räumlichen oder personellen Veränderungen. Das Konzept hatte sich allerdings geändert. Es war nun deutlich stärker sozialpädagogisch ausgerichtet, die Arbeitserprobung stand im Hintergrund. Und - die Teilnehmer erhielten keine Mehraufwandsentschädigung mehr. Es kamen andere und vor allem deutlich weniger Teilnehmer. Dafür waren ihre Problematiken in der Regel schwerwiegender.

Trotz vorheriger intensiver Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit fand nun die nächste umfassende Prüfung, jetzt der Aktivierungshilfe, statt. Es gab viele formale Beanstandungen. Die Trägerzertifizierung, die wir inzwischen vorweisen konnten – uns wurde bestätigt, dass wir eine sehr gute, zukunftsweisende Arbeit leisten und es gab keinerlei Beanstandungen – hatte auf die Prüfung keinerlei Einfluss. Der Arbeitsaufwand, den wir durch diese Prüfung hatten, war erheblich. Die Prüfung konnte erfolgreich abgeschlossen werden, allerdings mussten wir eine Konditionalstrafe hinnehmen, da unser Sozialarbeiter nach Ansicht der Prüfstelle nicht über die formalen Voraussetzungen der Ausschreibungsunterlagen verfügte. Außerdem machte die Prüfstelle uns die Auflage, dass jederzeit eine vollständige Personalbesetzung in der Maßnahme vorhanden sein musste. Diese Bedingungen gab es in der Vergangenheit nicht, in Vertretungssituationen konnte die Personalkapazität reduziert werden. Mindestens ein neuer Mitarbeiter wäre nun als Vertretungskraft nötig gewesen. Die erhöhten Personalkosten hätten dann auch im Maßnahmenpreis berücksichtigt werden müssen.

Mit der Umstellung der Maßnahme von MAE auf Aktivierungshilfe gingen die Zuweisungen durch das JobCenter stark zurück. Es gab umfangreiche Bemühungen unsererseits, die Situation zu verbessern, die Zuwendungsrate erhöhte sich trotzdem nicht. Die Vermittlungserfolge im WerkHaus blieben trotzdem beeindruckend. Immerhin 27 % der Teilnehmer durchliefen das Projekt positiv und wurden in Berufsausbildungen vermittelt.
Die Bedingungen, unter denen wir an der Ausschreibung teilgenommen haben, haben sich im Nachhinein als unrealistisch herausgestellt. Wir hätten die Maßnahme unter den gleichen Bedingungen nicht fortsetzen können. Ein Personalwechsel und -aufbau wären notwendig gewesen, damit verbunden auch eine Erhöhung des Kostensatzes.

Das JobCenter teilte uns im April endgültig mit, dass aufgrund der zu geringen Belegung keine Haushaltsmittel mehr zur Verfügung stünden.
Gemeinsam wurde die Situation analysiert. Unstrittig ist, dass das WerkHaus gute Arbeit geleistet hat. Es gab nie Zweifel an unserer Fachlichkeit und an unserem Einsatz. Das Konzept, was im Rahmen der Aktivierungshilfe umgesetzt worden ist, hat sich als nicht realisierbar herausgestellt. Die Mitarbeiter des JobCenters haben potentielle Teilnehmer, die es nach wie vor gibt, nicht in unsere Maßnahme vermittelt. 
Mit dem Auslaufen der Förderung zu Ende April 2013 wurde das WerkHaus geschlossen.

 

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