Notdienst Berlin e.V.

Statistik und Zahlen

Verfasst am 07.06.2012

Statistik und Zahlen

Die jährliche Veröffentlichung des Drogen- und Suchtberichts durch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, kündigt sich gewöhnlich schon einige Tage vorher an. Plötzlich klingeln die Telefone heiß und Journalisten wollen wissen, wie die Lage in der Hauptstadt ist, welche Drogen bei Jugendlichen derzeit en vogue sind  und ob es einen Anstieg an Klienten gibt.

Am 22. Mai 2012 gab es dann die langersehnte Pressekonferenz der Drogenbeauftragten mit der Kernaussage: „In vielen Bereichen zeigen die Maßnahmen zur Verringerung des Drogen- und Suchtmittelkonsums Wirkung. Dennoch gibt es weiterhin Gruppen mit besonders hohem oder riskantem Konsum, die noch besser erreicht werden müssen.“

Bei dem regelmäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen gibt es bundesweit einen rückläufigen Trend (2001: 17,9%; 2011: 14,2%). Bei Cannabis geht der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener, die mindestens einmal im Leben Cannabis probiert haben, ebenfalls weiter zurück. Er fiel von 15,1% im Jahr 2004 auf 6,7 % im Jahr 2011. Dagegen ist das Rauschtrinken bei älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer noch weit verbreitet. Auch der regelmäßige Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen
(18-25 Jahre) ist unverändert hoch und lag 2001 wie 2011 bei knapp 40%.

Doch stimmen die bundesweiten Erfahrungsberichte mit unserem Berliner Alltag überein? Wer ist eigentlich unser „typischer“ Klient  und wo sehen wir neue Trends? Grund genug für den Notdienst Berlin e.V. mal die eigenen Zahlen zu vergleichen. Im vergangenen Jahr suchten 5.356 Menschen Hilfe in unseren Einrichtungen. 3.122 von ihnen wendeten sich direkt an eine unserer Beratungsstellen (LogIn in Charlottenburg-Wilmersdorf, Drogennotdienst in Tempelhof-Schöneberg bzw. Frauentreff Olga in Mitte). Wie für den Suchtbereich klassisch, waren mehr als ¾ der Klienten männlich, 30% hatten einen Migrationshintergrund und 10% lebten gemeinsam mit ihren Kindern unter einem Dach. Die Hauptdiagnose war in den Beratungsstellen dagegen differenziert. Im LogIn, unserer Jugend- und Suchthilfe, wo knapp ein Drittel der Klientel zwischen 18-21 Jahren ist, steht mit fast 45% Prozent der problematische Cannabiskonsum der Jugendlichen im Vordergrund. Im Drogennotdienst, wo mehr als 60% älter als 28 Jahre sind, liegt die Hauptdiagnose mit deutlich über 50% bei dem Konsum von Opioiden. Aber auch im Drogennotdienst nimmt der Anteil der jugendlichen Klienten in den letzten Jahren immer weiter zu und die Einrichtung entwickelt sich mehr und mehr zum attraktiven Hilfeangebot für junge Menschen. Nicht bestätigen können wir die Zunahme von sogenannten „Legal Highs“, wie z.B. Badesalzen, die immer wieder durch die Medien geistern, bei unseren Klienten aber glücklicherweise „noch“ keine Rolle spielen. Auch der Konsum von Kräuter- bzw. Rauchmischungen wird von unseren Kollegen nur in Einzelfällen berichtet.

 

 

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