Notdienst Berlin e.V.

Verfasst am 09.07.2015

Gras, Berg, Mäuse....

Horaz wird der Satz zugeschrieben vom Berg, der kreißte, schließlich aber nur eine Maus gebar (ars poetica, Vers 139). Marie von Ebner-Eschenbach hat dies so wunderbar aufgegriffen: „Es kommt vor, dass Berge Mäuse gebären; manchmal tritt aber auch der entsetzliche Fall ein, dass einer Maus zugemutet wird, einen Berg zu gebären:“

Da trafen sich seit August 2014 auf Einladung des Paritäters wiederholt Vertreter fast aller freien Träger der Berliner Suchthilfe zum Thema Cannabis, nicht ganz zufällig im „Therapieladen“. Das Thema schrie fast täglich aus den Medien, gern als „Aufmacher“, es lag also mehr als nahe, man konnte ihm kaum entkommen. Was aber damit anfangen?

Es war nicht unbedingt üblich, dass sich die freien Träger über alle Traditions-, Haltungs- und Interessen-Differenzen hinweg mit drogenpolitischen Fragen auseinandersetzen, somit war der Ausgang offen. Ob es gelingen könnte, zum Thema Cannabis eine abgestimmte Position zu entwickeln, stand auch nach dem ersten Treffen noch keineswegs fest.

Große Portionen Geduld, Professionalität, guter Wille und Gesprächskultur waren von Beginn an nötig, um nicht steckenzubleiben. Parallel zum intensiven und engagierten Austausch, bei dem auch die Ergebnisse der deutschen wie der internationalen medizinischen, juristischen und politischen Diskussionen gewürdigt wurden, blieb die Entwicklung im und um den Görlitzer Park nicht stehen, sondern gewann an Dynamik, zum Teil auch an Absurdität.

Spätestens bei einer öffentlichen Anhörung im Abgeordnetenhaus im Januar 2015, organisiert von der SPD-Fraktion, zeichnete sich ab, dass die Träger der Berliner Suchthilfe offensichtlich in der Lage sind, sich auf eine differenzierte, zugleich aber klar entschiedene verantwortliche Position zu einem schwierigen Thema zu verständigen und diese gemeinsam öffentlich zu vertreten.

Bei der Fachtagung zum 30. Jubiläum des Therapieladens am 8. Juni im Roten Rathaus fanden die Teilnehmer in ihren Tagungsmappen schließlich das von den freien Trägern der Berliner Suchthilfe und weiteren Vereinen gemeinsam unterzeichnete Positionspapier „ Neue Wege in der Cannabispolitk“, in alphabetischer Reihenfolge: ADV, Aidshilfe, Fixpunkt, Frau.Sucht.Zukunft, Drogentherapiezentrum, Haus Lenné, Kokon, MannoMeter, Notdienst, Paritäter, Schwulenberatung, Therapieladen, vista, ZiK.

Der „Berg“ ist bewältigt, nun ruft er! Und: Von wegen „Mäuse“! Um „Mäuse“ im Sinne von womöglich nicht wenig Geld geht es natürlich auch, um zu erwartende Steuern aus einem regulierten Markt und um deren garantierte Verwendung für Prävention und Behandlung! (Auch zu diesem Punkt findet
sich im Positionspapier der Berliner freien Träger ein klares Statement.) Es bleibt spannend!

Positionspapier

 

 

 

 

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