Notdienst Berlin e.V.

ImpulsPunkt

Verfasst am 14.01.2014

ImpulsPunkt

Gewalterleben – als Opfer wie auch als Täter – gehört zu den Biographien und Lebensumständen unserer Klientel. Illegaler Konsum und damit zusammenhängende Kriminalität, Szeneeinbindung, Alkohol- und sonstige Intoxikation, psychische Störungen, massive Fehlsozialisation etc. sind Hintergründe für ein gravierendes Problem. Es zeigt sich als eigenständige Belastung neben den Abhängigkeitserkrankungen, ist zugleich aber mit diesen eng verbunden.

Bei Handlungsbedarf in Sachen Aggression und Gewalt wurde bislang an andere delegiert, meist ohne größeren Erfolg: an Psychiater, die unsere Zielgruppe allerdings nur ausnahmsweise behandeln oder an externe Anti-Gewalt-Trainer, bei denen durch uns Vermittelte jedoch gar nicht erst ankommen. Oder sie sind dort nicht gut aufgehoben, z. B. weil sie „den Rahmen sprengen“. Auf Aggression fokussierte, eigenständige Interventionen blieben im Notdienst bislang weitgehend dem Zufall überlassen, also die absolute Ausnahme.

Ein standardisiertes, manualgestütztes Vorgehen (vergleichbar mit unserem Konsumkontroll- und -reduktionsprogramm „Contraddict“) wäre daher ein großer Schritt nach vorn. Ein solches Arbeitsinstrument kann man nicht „kaufen“. Zwar gibt es unzählige, sehr verschiedenartige Trainings, doch sind diese für andere Zielgruppen oder Kontexte entworfen und daher nicht passfähig. Zudem ist erfahrungsgemäß mit sogenannten  „Implementierungsproblemen“ zu rechnen. Bei „Contraddict“ hatte es sich als sinnvoll erwiesen, von Beginn an Mitarbeiter in die Manualentwicklung einzubeziehen. Gestützt auf ausdauernd hartnäckige „Einrichtungsaktivisten“ kann es offensichtlich sogar gelingen, eine zusätzliche methodische Idee am Leben zu erhalten.

Inzwischen traf sich das Manualentwicklungsteam bereits mehrmals. Wichtige Anregungen aus verschiedenen Quellen sowie einige Experteninterviews mit Klienten wurden ausgewertet. In Grundzügen bestand recht bald Einigkeit über Haltung, Ziele und favorisierte Methoden. Zwischenzeitlich fand nun in der A.I.D. Kreuzberg mit den Notdienst-Manual-Arbeitern sowie weiteren interessierten Kollegen ein 4-stündiger Demonstrations- und Selbsterfahrungstermin statt. Dabei wurden einzelne Module des Impulskontrolltrainings praktisch geübt.

Schnell wurde klar: Der „point of no return“ ist längst erreicht, alle Mitwirkenden sind „heiß“, „ImpulsPunkt!“ nimmt Gestalt an. In Kürze sind Entscheidungen über die nächsten konkreten Schritte bei der Manualfertigstellung zu fällen. Im Anschluss geht es dann bereits um die  Erprobung im Betreuungsrahmen… Noch sind nicht wenige Fragen offen. Sicher ist: Man darf gespannt sein auf ein in dieser Form bundesrepublikweit einmaliges Projekt!

 

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