Notdienst Berlin e.V.

Gendermainstreaming in der Suchtabrbeit

Verfasst am 26.10.2015

Gendermainstreaming in der Suchtabrbeit

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat eine lange Tradition sensibel und fördernd mit der Thematik Gender in der Suchtarbeit umzugehen. Daher gibt es schon eine gewisse Zeit in unserem Bezirk zwei Beratungsstellen: die FAM (steht für Frauen-, Alkohol-, Medikamente & Drogen) und die gemischtgeschlechtliche Beratungsstelle für Alkohol- und medikamentenabhängige Menschen, die seit drei Jahren der Notdienst Berlin e.V. anbietet. Aufgrund dieser besonderen Konstellation hat der Bezirk Interesse die Genderthematik im Blick zu behalten und voranzubringen. Unsere Suchtkoordinatorin des Bezirks, Frau Mutter, kam auf die Idee, an einem durch die Senatsverwaltung für Finanzen und Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen ausgelobten Wettbewerb teilzunehmen. Für diesen Wettbewerb wurde gemeinsam zwischen Bezirk, FAM und AMB ein Konzept eingereicht, was die Thematik Gender in der Suchtarbeit beinhaltete.

Gedankliche Hintergründe waren einerseits, dass die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Männer als Betroffene  in der Suchthilfe überrepräsentiert sind, jedoch keine spezifischen Angebote in der Suchthilfe für Männer vorgehalten werden (80%  betroffene Männer, 20% betroffene  Frauen kommen in der Hilfelandschaft an). Der überproportionale Anteil von Männern in der Suchthilfe macht jedoch noch keine genderspezifische Arbeit aus. Für Frauen hatten sich spezifische Angebote schon etabliert. Folglich erschien es uns sinnvoll, dass für beide Geschlechter spezifische Angebote geschaffen werden sollten. Andererseits zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Männer ein anderes Suchtverhalten entwickeln als Frauen. So trinken Männer vor allem Alkohol und Frauen nutzen vor allem Medikamente. Die dafür verantwortlichen gesellschaftlichen Bedingungen, die geschlechtsspezifischen Lebenshintergründe und Erfahrungshorizonte sind in den bisherigen Angeboten der Suchthilfe kaum berücksichtigt worden.

Folglich entwickelten wir ein Konzept, um Träger der Suchthilfe zur gendersensiblen Suchtarbeit fortzubilden. Die  Ziele sind, dass spezifische Angebote für beide Geschlechter geschaffen werden, dass die Mitarbeiter*innen der Suchthilfe ihre Kompetenzen erweitern und dass die Betroffenen besser erreicht werden können. Die an der Fortbildung teilnehmenden Einrichtungen sollen dadurch die Möglichkeiten erhalten eigene Ideen für ihre Klientel vor Ort zu entwickeln und Maßnahmen und Angebote direkt in der Praxis umzusetzen.

Diesen Wettbewerb haben wir gemeinsam gewonnen. Die Preissumme in Höhe von 30.000.-€ ermöglicht uns nun, interessierte Einrichtungen fortzubilden. Unser Angebot soll berlinweit für andere Einrichtungen nutzbar sein.

Mittlerweile haben wir schon sechs Einrichtungen fortgebildet. Überrascht waren wir von der raschen Ausbuchung unseres Angebots. Bis Ende des Jahres sind alle Termine schon vergeben. Unsere bisherigen Erfahrungen waren durchweg positiv. Alle Einrichtungen zeigten sich sehr interessiert und waren engagiert, erste Veränderungen in die Wege zu leiten und neue Angebote zu schaffen. Das macht uns Mut für die weiteren Schritte. Besonders interessant ist auch unsere Erfahrung, dass nach 25 Jahren Einheit die „Ost-West-Problematik“ in den Teams wahrzunehmen ist. Die unterschiedliche Sozialisation von Frauen und Männern im Osten und im Westen führt in den Diskussionen zu spannenden Ergebnissen.

 

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