Notdienst Berlin e.V.

Fotos von der Kurfürstenstraße

Verfasst am 13.03.2015

Fotos von der Kurfürstenstraße

Der Frauentreff Olga ist ein Kontaktladen für drogenabhängige und sich prostituierende Frauen und Transfrauen direkt an der Kurfürstenstraße, dem „Drogenstrich“ von Berlin. Die Angebote orientieren sich an den spezifischen Lebensbedingungen der Frauen/ Transgender, die geprägt sind von Prostitution, Obdachlosigkeit, Gewalterfahrungen sowie einer schlechten psychischen und physischen Verfassung. Auch die Frage der Migration und Integration der Frauen (70% kommen aus Osteuropa) spielt zunehmend eine zentrale Rolle.

Von Januar bis Oktober 2014 gaben wir mit unserem Projekt Photovoice  14  Besucherinnen des Olga  /Sexarbeiterinnen aus fünf Nationen die Möglichkeit authentische und bewegende Momentaufnahmen aus ihrem Kiezleben rund um die Kurfürstenstraße  künstlerisch aufzuarbeiten, Verständnis und Toleranz für ihre Arbeit als Prostituierte zu generieren und für ein friedliches Miteinander zwischen Anwohnern und Sexarbeiterinnen zu werben. Ausgestattet  mit einer Kamera haben die Frauen ihren Alltag fotografiert und über ihre Arbeit, ihre Heimat und ihre Träume gesprochen.

Photovoice ist eine partizipative Forschungsmethode, die in den 1990er-Jahren von Caroline Wang und Mary Ann Burris im Rahmen eines Gesundheitsprojektes entwickelt wurde und heutzutage vielfältige Anwendung findet. Das Verfahren verbindet Fotografie und Erzählung in einem reflexiven Gruppenprozess: Mitglieder einer bestimmten marginalisierten Community bekommen eine Kamera und machen Fotos von ihren Lebenswelten. Die entstandenen Bilder werden gemeinsam besprochen und ausgewertet, um bestimmte Problemlagen aufzuzeigen und ggf. Veränderungsprozesse anzuregen. (Vgl. Unger, Partizipative Forschung, S. 69).

Es ging uns vor allem darum, den Frauen eine Plattform zu bieten um sich auszutauschen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre persönliche Sichtweise, ihre Wünsche und Ängste bezüglich ihrer Lebens- und Arbeitswelt rund um die Kurfürstenstraße zu artikulieren. Denn was wäre in einem Umfeld, in dem viele Sprachen gesprochen werden, in welchem manche Frauen nicht lesen und schreiben können und viele Frauen die Notwendigkeit sehen, anonym zu bleiben, besser geeignet als ein Fotoprojekt, in welchem jede Frau uns die Chance gibt, die Welt für einen Moment durch ihre Augen – durch ihre Kameralinse zu sehen.

Mit viel Geduld und Dank der unermüdlichen Hilfe unserer Sprachmittlerinnen sowie der Fotografin Kathrin Tschirner, aber vor allem mit aufrichtigem und ehrlichem Interesse, konnten wir die Frauen zur Teilnahme begeistern. Einige der Frauen zogen selbstständig mit den Kameras los und schrieben ihre Geschichten auf, andere begleiteten wir auf ihren Wunsch unterstützend und unternahmen mit ihnen Streifzüge durch den Kiez und ihre Lebenswelten. Die Fotos wurden gemeinsam besprochen und so entstanden letztendlich viele spannende Geschichten, die sehr persönliche Einblicke in die Lebenswelten der Frauen geben. Am Ende dieses Prozesses, nach zahlreichen Gesprächen und der Auswertung des umfangreichen Materials, stehen nun der Bildband und eine Wanderausstellung mit gesammelten Erfahrungen, Bildern und Geschichten von insgesamt 14 Frauen aus 5 Ländern, als Ergebnis des Photovoice Projektes im Frauentreff Olga.

Am 1. April 2015 lud der Frauentreff Olga zur Ausstellungseröffnung in das Rathaus Tiergarten.  Neben den vielen beeindruckenden Fotos gab es für die  zahlreichen Ausstellungsbesucher auch noch einen weiteren Grund gemeinsam zu feiern: 10 Jahre Sprachmittlerinnen-Projekt im Frauentreff Olga.

Unser großer Dank gilt dem Quartiersmanagement und dem Rathaus Tiergarten, die all dies möglich gemacht haben.

 

 

 

 

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