Notdienst Berlin e.V.

Auszugsgruppe für Betreutes Wohnen

Verfasst am 18.09.2013

Auszugsgruppe für Betreutes Wohnen

Seit die Bedingungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt gerade für sozial Schwache immer prekärer werden, sind die Auswirkungen auch in vielen Projekten des Betreuten Wohnens zu spüren. So gelang es im Jahr 2012 z.B. nur einem Klienten des Notdienst Neukölln (28 Wohnplätze), die Maßnahme mit Einzug in eigenen Wohnraum erfolgreich abzuschließen. Auf diese magere Bilanz wurde sofort reagiert. Das Neuköllner Betreuungsteam entwickelte eine gesonderte „Auszugsgruppe“, in der ausschließlich Themen rund um den Auszug bearbeitet werden.


Die dabei entstehende Dynamik in der Gruppe hilft vor allem beim Thema Wohnungssuche. Positive wie negative Erlebnisse werden gesammelt, besprochen und bei der zukünftigen Planung berücksichtigt. Auf einem großen Stadtplan werden Fähnchen gesetzt, ansässige Wohnungsbaugesellschaften und deren Prüfkriterien werden vermerkt. Manchmal muss man dem Glück etwas auf die Sprünge helfen, da kann schon die Information, dass Bearbeiterin Meyer besonders nett ist und jedem eine zweite Chance gönnt, weiterhelfen.

Dennoch, die Wohnungssuche ist kein Spaziergang – und vor allem kein Wunschkonzert. Auch wenn man sein Leben bisher  hauptsächlich in Neukölln zugebracht hat, ein Bleiberecht lässt sich daraus nicht ableiten. Oft gibt es freien und bezahlbaren Wohnraum nur noch in Randbezirken. Für viele unserer Klienten ist das ein großer, in der Vorstellung oft zu großer Veränderungsschritt. Doch auch hier können Gruppe und Stadtplan helfen. Zuerst wird ein möglicher neuer Heimatkiez virtuell im Netz erkundet, andere Gruppenteilnehmer steuern ihre Erfahrungen bei, dann geht’s zum gemeinsamen Ausflug, z.B. nach Hohenschönhausen oder auch nach Spandau. Wenn dann außer der Wohnraumfindung auch noch Vorurteile abgebaut werden können, um so besser.

Die Neuköllner Auszugsgruppe startete im letzten Quartal 2012. Die Vorabprognosen über mögliche Effekte waren sehr unterschiedlich. Nach etwas mehr als einem halben Jahr fällt die Zwischenbilanz aber ausgesprochen positiv aus.

Seit Jahresbeginn kam es in Neukölln zu acht Auszügen. In einem Fall zeigte sich die Justiz unnachgiebig, ein anderes Mal  war eine stationäre therapeutische Einrichtung das bessere Angebot. In sechs Fällen jedoch gelang die Anmietung von eigenem Wohnraum.

Im Erfolgsfall fällt neben dem Glücksgefühl des Einzelnen, der endlich wieder in seine eigenen vier Wände einzieht, auch immer etwas Mut und Hoffnung ab für die anderen Gruppenmitglieder, die noch auf der Suche sind. So kann es weitergehen – Auszugsgruppe Neukölln!

 

 

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